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Sonntag, 15. August 2010

Letzter Tag in Mumbai

Mit Gummistiefeln in Indien


Freitag wollten wir es wissen und hatten ein volles Programm. Los ging es mit einer einstuendigen Bootstour zu Elephantia Island. Da es die Nacht zuvor stundenlang geregnet hat, malten wir uns eine Stadt voller meeresgrosser Pfuetzen aus, die wir nur mit unseren Gummistiefeln angemessen durchqueren koennten. Pfuetzen? Fehlanzeige! Dafuer amuesierte Blicke neugieriger Inder, die sogar Fotos von uns oder wohl eher unseren Gummistiefeln schossen. Mel witterte sofort ein Geschaeft und wird wohl nach ihrem Studium nach Indien kommen, ein paar Wochen lang Gummistiefel tragen (a la "The new must have in Europe") und ein, zwei Laeden eroeffnen, um mit dem Verkauf von Gummistiefeln reich zu werden.

Auf Elephantia Island angekommen, mussten wir die Stufen hoch zum Tempel erklimmen, der Sehenswuerdigkeit dieser Insel. Die Stufen waren zu linker und rechter Hand von Verkaufsstaenden (Taschen, Kleidung, Holzarbeiten, Essen, Kram...) umgeben und mit Planen ueberdacht, was die Luftfeuchtigkeit auf mind. 100 % stiegen liess und die gefuehlte Temperatur auf jenseits der 40 C. Mit unseren immer groesser werdenden Schweissperlemn kaempfend, nahmen wir kaum Notiz von den "Excuse me, Madame"-Rufen der Verkaeufer und beteten sehnsuechtig das Ende unseres Aufstiegs herbei. Oben angekommen mussten wir feststellen, dass der Eintritt in den Tempel uns 7 EUR kosten sollten, was wir mit den Worten "Wir werden noch genuegend Tempel sehen" ablehnten. Stattdessen erfreuten wir uns an den frei umhertollenden Affen - natuerlich unter Einhaltung eines ausreichenden Sicherheitsabstands -, wrangen unsere klitschnassen Shirts aus und machten uns wieder an den Abstieg (denn mehr gab es da oben wirklich nicht zu sehen).

Zurueck aufs Boot, dann ins Hotel, die uns zu overdressed erscheinenden

Gummistiefel gegen Sandalen tauschend, um dann schliesslich nach Bandra, ins
noerdliche Mumbai, zu fahren und dort Leon zu treffen, einen gemeinsamen
Freund von der Uni, der hier seit Maerz ein Praktikum macht.
Wie wuerden zum ersten Mal einen Local Train benutzen...Oeffentlicher Nahverkehr in einer indischen Grossstadt - denkt man da an beim Fahren geoeffnete Tueren? An Inder, die noch vor Halten des Zugs auf diesen aufspringen? An extra Frauenabteile? Daran, dass erst alle einsteigen, anstatt die anderen aussteigen zu lassen? Aber auch daran, dass interessiert gefragt wird, wo wir aussteigen wollen, dass uns kurz vor unserem Zielbahnhof gesagt wird, dass wir schon mal aufstehen sollten, um uns mit einem "Excuse me" durch den rappelvollen Zug zur Tuer zu draengeln? So war es und wir sind tatsaechlich heil aus dem Zug gekommen.

In Bandra lernten wir die andere Seite Mumbais kennen, die im Gegensatz zum
von der Kolonialzeit gepraegten Sueden bunter, hektischer, aber auch aermer
ist. Blechhuetten, Menschen, Ratten, Gestank, Muell, Hupen, Motorengebruell
wechselten einander ab. Um diesen wenig zum Verweilen einladenden Ort
schnell zu verlassen, stiegen wir in eine motorisierte Rikscha und brausten
davon. Die Fahrt in einer Rikscha ist schone in kleines Highlight und
jedem zu empfehlen, der die Gelegenheit dazu hat. Man muss zugeben,
dass unter der chaotischen Oberflaeche des Verkehrs ein
ausgetueffteltes System impliziter Verkehrsregeln steckt, dass ohne
viel Ampeln und Fahrbahnspuren auskommt.
Leon brachte uns ans Wasser, setzte uns in einen Coffeeshop einer indischen, ins europaeische Ausland expandierenden (Wien) Kaffeekette und beim Beobachten des (sehr kurzen) Sonnenuntergangs hatte man schnell das Gefuehl, man sei in Suedeuropa - und das, obwohl wir nur knapp zehn Minuten mit der Rikscha unterwegs waren. So gegensaetzlich kann Mumbai sein.
Im Laufe des Abends sind wir noch Bus gefahren, in den man ebenfalls - als echter Inder - waehrend des Fahrens ein- bzw. aussteigt;haben eine katholische Kirche mit unzaehligen von der Decke haengenden Ventilatoren betreten und in einer seit 70 Jahren von Indern gefuehrten American Bakery Reiseproviant fuer unsere Zugfahrt nach Jodphur gekauft. Wie das war, erfahrt ihr im naechsten Post.

m + d

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