Das Highlight von Agra schon am Donnerstag besichtigend und das Fort aussparen wollend, versuchten wir den Freitag - unser Zug nach Varanasi ging abends - mehr schlecht als recht rumzukriegen, gingen bei 100% Luftfeuchte spazieren - es dauerte keine Stunde, bis unsere T-Shirts komplett durchgeschwitzt waren - wimmelten hartnaeckige Rikscha-Fahrer ab, die es nicht verstehen konnten, dass man bei dieser drueckenden Hitze einfach nur spazieren moechte :-), wurden Stammgaeste der indischen Kaffeekette, die wir aus Mumbai kennen - hatte naemlich Klimaanlage - und waren froh, als wir Freitagabend endlich in den Zug nach Varanasi steigen konnten, das wir dann am Samstagmittag mit vierstuendiger Verspaetung erreicht haben. Es scheint, als haette nicht nur die Deutsche Bahn so ihre Probleme mit der Puenktlichkeit ;-)
Verwirrende Gassen in der Altstadt und die Ghats am Ganges
Nach einem ausgiebigen Mittagessen wollten wir dann die Altstadt erkunden und sind direkt vor unserem Hostel ein paar Indern begegnet, die da staendig rumzustehen scheinen und Touristen ihre Hilfe als Guide anbieten, was diese gern annehmen, vor allem Frauen, um deren Orientierungssinn es bekanntlich nicht gerade zum Besten steht :-) Wir haben uns also zum Verbrennungsghat fuehren lassen, bei dieser Gelegenheit einen mit Tuechern umwickelten, auf Holz gebetteten Toten aus der Ferne brennen gesehen, etwas ueber die Verbrennungsprozedur erfahren und waren voller Ehrfurcht angesichts dieses heiligen Ortes. Danach ging es noch in einen kleinen Hindutempel, der von aussen mit verschiedene Kamasutrastellungen abbildenden Holzfiguren verziert war, die gelegentliches Laecheln auf unsere Gesichter und das des Inders zauberten. Unsere kurze, dennoch interessante Tour endete in einem Seiden-Laden, in dem wir - na, was wohl? - alles moegliche aus Seide zu unschlagbaren Preisen, aber dennich in bester Qualitaet kaufen sollten. Wohlwissend, dass wir sowieso abgezockt werden und genuegend Souvenirs aus Indien habend, wurde mir ploetzlich so schwindelig, dass ich mich kaum noch auf den Beinen halten konnte und Melina mich unbedingt aufs Hotelzimmer bringen musste :-) Jetzt weiss ich endlich, wofuer die DS-Zeit gut war; es stimmt, wir haben dabei fuers Leben gelernt :-)
Es eine Tour mit einem Boot zu nennen, ist vielleicht etwas uebertreiben, waren es doch eher irgendwie zusammengeschlagene Bretter, die sich auch irgendwie ueber Wasser gehalten haben. Wir sind wieder am Verbrennungsghat vorbeigekommen, durften aussteigen, wurden von einem aelteren Herren noch dichter an die Holzhaufen herangefuehrt als beim ersten Mal und haben das Beerdigungsprozedere viel besser verfolgen koennen. Schon ein schaurig-schoener Ort! Ein wenig stoerend wirkte nur die abschliessende Bitte um Spende fuer Brennholz - ganz besonderes Holz, das aus 300 km entfernten Waeldern stammt - die uns mehrere Hundert US $ gekostet haette, waeren wir ihr vollstaendig nachgekommen (Mel war zu goldig und meinte, dass wir nur das Geld fuer die Bootstour mitgenommen haben, weil wir Angst hatten, ins Wasser zu fallen. Morgen wuerden wir aber noch einmal vorbeikommen, um etwas Geld zu spenden...Findet ihr fies von uns? Der Lonely Planet hat eindringlich davor gewarnt, auf diese Spendengesuche einzugehen.)
Am letzten Tag haben wir die Altstadt verlassen - waren wir stolz, dass wir den Weg vom und zum Hotel ganz allein gefunden haben - und den anderen Teil der Stadt erkundet. Wir haben den Campus der Benares Universitaet erkundet - Wer haette gedacht, dass ich erst nach Indien muss, um ueberhaupt mal einen Campus zu sehen? Die jeweiligen Fakultaeten der Berliner Unis sind ja in der ganzen Stadt verteilt. - und sind durch ruhige Strassen entlang des Ganges geschlendert, bis wir in einem von westlichen Aussteigern gefuehrtem Cafe und Shop gelandet sind, in dem sogar die Toilette zum Verweilen einlud - sauber, Klopapier, kleine Handtuecher zum Haendeabtrocknen - das Essen einfach spitze war und die tollen Schals, Blusen, Hosen, Tischdecken, Bettbezuege und und und zu original indischen Preisen - die waren fix, sodass man garantiert nicht abgezockt wurde - zum endlos langen Shoppen verfuehrten.
Varanasi hat uns also gefallen - wie wird wohl Bodhgaya, Indiens Zentrum fuer buddhistische Pilger?
m + d