Von Jodhpur ging es Mittwoch frueh (5.45 Uhr!) mit dem Zug nach Jaipur, der Hauptstadt des Bundesstaats Rajasthan. Die fuenfstuendige Zugfahrt war dieses Mal eine Katastrophe. Da wir tagsueber gefahren sind, gab es keine Sleeper Class, mit der wir auf der Fahrt von Mumbai nach Jodhpur so gute Erfahrungen gemacht haben, sondern nur eine Chair Class, in der sich jeweils drei Passagiere auf eine der Rueckenform ueberhaupt nicht entgegenkommenden, mit nicht atmungsaktiven Leder ueberzogenen Sitzbank quetschen muessen. Ich schreibe "quetschen", weil die bei der Bemessung der Plaetze von schmalhueftigen und generell zierlichen maennlichen Indern ausgegangen sein muessen. Alle anderen pflegen waehrend der Zugfahrt unfreiwillig engen mind. Bein-, wenn nicht sogar Ganzkoerperekontakt und der zum Gangsitzende (ich!) sitzt meist nur mit der halben Pobacke auf der Sitzbank. Unbequem! Nachdem ich mich entschlossen habe, mir es auf dem Boden vor der - wieder offenen - Zugtuer gemuetlich zu machen, war es schon viel angenehmer und der traumhafte Ausblick entschaedigte fuer alles.
Davon ausgehend, dass uns Indien nicht mehr schocken oder nerven koennte (wie toericht, das nach nur einer Woche zu denken...), wurden wir in Jaipur eines Besseren belehrt. Wie die Hyaenen haben sie sich "Tuk-Tuk"- (motorisierte Rikscha) und Fahrradrikscha-anbietend auf uns gestuerzt. Davon genervt, entschlossen wir uns, den Weg zu unserem Hostel zu Fuss zurueckzulegen. Uns erblickend - wir standen orientierungslos auf dem Mittelstreifen einer viel befahrenen Strasse - hat uns ein schmaechtiger Herr so lange zugelabert (das war wirkliches "Labern"), bis wir zusagten, dass wir bei ihm bis zu unserem Hostel mitfahren. Dann zeigte er uns sein Gefaehrt - eine Fahrradrischka - und eigentlich haetten wir da schon dankend ablehnen sollten, taten es aber nicht. Wir zwei Leichtgewichte ;-) plus ca. 35 kg Gepaeck also rein in seine Rischka, das Schneckentempo der ersten Meter auf die generellen Schwierigkeiten beim Anfahren schiebend, uns nach den naechsten Metern (immer noch Schneckentempo) damit troestend, dass selbst die Inder es so machten wie wir, ihn dann aber schliesslich baten, anzuhalten, was er - wohl aus Angst um sein Geld - ignorierte. Erst als wir ihm versicherten, das er sein Geld auf alle Faelle bekommt, hat er uns raus gelassen, wir haben gezahlt und uns endlich nicht mehr gefuehlt wie reiche Europaer, die arme Inder misshandeln. Zu unserem Hostel sind wir dann alle anderen Rikscha-Angebote ignorierend gelaufen
Zu unserer Verteidigung muss ich noch erwaehnen, dass die Fahrer der Fahrradrischkas zu den Aermsten der Armen gehoeren, ihnen das totale Umsteigen der Touristen auf motorisierte Rischkas also auch nicht hilft. Wir haben es daher spaeter noch einmal probiert - der Fahrer hat sich wieder einmal aufgedraengelt und das trotz unserer Kilos, die er zu bewegen hat - doch auch dieses Mal fuehlten wir uns schlecht, so schlecht, dass der Fahrer das dreifache des sonst ueblichen Fahrpreises und zwei Bananen bekommen hat.
Unser Hostel ist zwar sehr billig (6 EUR pro DZ), hat aber so seine Probleme mit gutem Essen. Am Mittwoch hat es Mel mit Durchfall umgehauen und am Donnerstag mich, sodass wir das Hostel zwei komplette Tage nicht verlassen haben. War aber nicht weiter wild, denn es hat eh die ganze Zeit geregnet - mit den riesigen und tiefen Pfuetzen, fuer die wir extra unsere Gummistiefel eingepackt haben, die wir dummerweise in Mumbai gelassen haben...
Pimp your Tuk-Tuk
Am Freitag haben wir dann endlich begonnen, die Stadt zu erkunden. Den Worten von zwei anderen Travellern vertrauend ("Die Altstadt ist wunderschoen"), haben wir uns zu Fuss auf den Weg gemacht. Es hat wohl keine Viertelstunde gedauert, da fanden wir uns selbst in einem kleinen Laden fuer Tuecher und der fuer Backpacker typischen Kleidung wieder. Ich erstand endlich eine von den Hosen, bei denen der Schritt bis sonst wo reicht, und Mel ist gluecklich ueber ihre neuen, riesigen Strandtuecher, mit denen wir dann hoffentlich an Thailands Straenden chillen koennen (chillen ist naemlich das, was man in Indien eher weniger gut kann - zumindest bis jetzt). Kaum waren wir aus dem Laden raus, goennten uns eine kurze Pause zum Orientieren, waren wir umwimmelten von Tuk-Tuk- und Rikscha-Fahrern, die sich alle gegenseitig in ihren Preisen unterboten. Genervt und sowieso auf der Suche nach der auch pink city genannten Altstadt - bis jetzt waren die Haeuser alle braun - gingen wir auf ein Angebot ein und liessen uns zum City Palace bringen. Eigentlich dachten wir daran, einen kurzen Rundgang durch den Palast zu machen und ein paar nette Fotos zu schiessen, doch der hohe Eintritt machte uns einen Strich durch die Rechnung - 6 EUR ist natuerlich nicht viel, aber wir hatten keinen Bock auf zwei Museen und eine Galerie, soweit reicht unser Interesse dann doch nicht :-)
wir genossen es, entertained zu werden und uns
Obgleich das schon wieder Kaffeefahrtflair hatte, hat uns die zurueckhaltende und ehriche Art von Sony gut gefallen - Mels Frage, ob er etwas bekomme, wenn er Touristen an die verschiedenen Orte bringt, bejahte er ohne Rumdrucksen - und so beschlossen wir, gemeinsam mit ihm das Nachtleben in Jaipur zu erkunden; es war ja schliesslich Freitag Abend.
In Indien faengt alles ein bisschen frueher an und so liessen wir uns zu um 19 Uhr von unserem Hostel abholen. Sony selbst - 33 Jahre, verheiratet [ob love oder arranged wissen wir nicht :-) ], drei Kinder - geht nicht aus, hat sich aber von seinem Kumpel einen Club empfehlen lassen. Dieser lag in einem Industriegebiet und ich musste beim Betreten sofort an den FunPark denken (fuer die Berliner: Matrix). Wie um das Klischee zu bedienen, lief dann auch noch Trance Musik. Herrlich :-D Wir waren die einzigen Gaeste und haben die Bedienung - alles Maenner bzw. Jungs unseren Alters, adrett in weissem Hemd mit roter Fliege und Schaerpe - wohl etwas ueberrumpelt. Zumindest konnte ich die Bestellung noch nicht aufgeben, da der Manager mit dem Schluessel fuer die Kuehlschraenke noch nicht da war ;-)
Da man laut Sony in Jaipur nicht laenger als Mitternacht ausgeht, waren wir guter Dinge, noch ein paar Einheimische zu treffen. Ausser ein paar Billard spielender Jungs war da aber nichts, sodass wir uns dann gegen 21 Uhr wieder auf den Heimweg gemacht haben.
Da uns der Tag mit Sony sehr gut gefallen hat und uns mit ihm Schlepptau weniger aufgedraengelt wurde, haben wir uns gleich wieder fuer Samstag
Auf dem Tagesprogramm standen wieder irgendein Palast, dieses Mal aus Marmor; ein Tee und Gewuerze-Laden, in dem wir - wahrscheinlich zu voellig ueberhoehten Preisen - kraeftig zugelangt haben; ein Juwelier, bei dem wir sahen, wie Silber und Edelsteine unter denkbar schlechten Arbeitsbedingungen, die einen ein schlechtes Gewissen bereiten, wenn man im Laden neben der Werkstatt Schmuck zu unerhoert billigen Preisen kauft, geschnitten und poliert werden; eine Mall, die nur fuer die Oberschicht Jaipurs erschwinglich ist und in der es dementsprechend ruhig war und jeder potentielle Kunde einen potentiellen Verkaeufer zur Seite bekommt, der einen durch die einzelnen, nicht extra mit Personal bestueckten Laeden fuehrte und zum Abschluss ein traditionelles, da von vielen Einheimischen besuchtes Restaurant, dessen sehr gutes Essen mich bei meinem Durchfall um Lichtjahre zurueckgeworfen hat. Zwischendurch war Mel noch mal kurz fuer 2 EUR ihre Spitzen schneiden, allerdings war das in irgendeinem Garten - der Barbier vom Herrenfriseur kam extra - und ich habe echt verplant, Fotos zu schiessen.
Sonntag, am Tag unserer Weiterfahrt nach Udaipur, hatten wir uns wieder mit Sony verabredet und eigentlich vor, noch mal fuer drei bis vier Stunden mit ihm gemeinsam die Stadt unsicher zu machen. Doch anstatt wir die Stadt unsicher, machten uns die Touristenfaenger rund um den - dieses Mal Affen- Tempel irre (alle wollten unser nicht vorhandenes Geld) und so liessen wir uns von Sony in einem Internetcafe absetzen, bedankten uns bei ihm, bezahlten ihn gut und gaben ihm zu verstehen, dass er den heutigen Tag - seinen Geburtstag - mit seiner Familie verbringen solle. Dass das Internet in dem Cafe nur in Ausnahmeminuten funktionierte, uns aber dennoch der volle Preis berechnet wurde, liess unsere Laune nicht besser werden - wohl aber die letzten Stunden in unserem Hostel, einem idealen Rueckzugsort, weil wir hier in Ruhe gelassen werden.
Wir sind gespannt auf Udaipur...
m + d
Mit den Bildern fetzt's gleich viel mehr!
AntwortenLöschenLG, Sarah