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Montag, 30. August 2010

Agra und Varanasi (26. bis 30.08.)

Bevor ich euch von unseren Erlebnissen in den Touristenhochburgen Agra und Varanasi berichte, muss ich euch noch kurz erzaehlen, wie wir den letzten Tag in Udaipur verbracht haben. Eigentlich war ja nicht mehr viel geplant bis auf Ruhe geniessen und Kraft tanken - siehe letzter Post. Also schlenderten wir - die Ruhe geniessend und Kraft tankend - durch die Altstadt; solange, bis wir wieder an irgendwelche Inder gerieten, von den man nie genau sagen kann, was sie denn von uns wollen. Den Anfang machte ein junger Shopbesitzer, dem Mel erst einmal ein paar Tipps zum richtigen Umgang mit Touristen geben musste - schliesslich hat sie schon viele Sommer im Souvenirladen ihrer Eltern in Griechenland ausgeholfen und weiss daher, wovon sie spricht. Nachdem das geklaert war und er sich einsichtig zeigte, genossen wir Chai Tee - Schwarzer Tee mit Milch, verfeinert mit der Gewuerzmischung Masala; wird hier von jedem zu jeder Gelegenheit und Uhrzeit getrunken - und fragten uns gegenseitig aus. Alles nett soweit. Als er uns aber zu der Hausparty eines Freundes einlud und anfing, Fragen zweimal zu stellen, wurde es uns zu bloed - war er Freund oder wollte er uns abziehen? - und wir stammelten etwas von Hunger, versprachen, gegen 15 Uhr wieder zu kommen und machten uns aus dem Staub, natuerlich ohne unser Versprechen einzuhalten.

Bald darauf liefen wir den naechsten Indern in die Arme, einem am Goetheinstitut in Mumbai Deutsch lernenden 23-Jaehrigen und seinem - etwas aelteren :-D - Onkel. Waehrend Mel die Deutschkenntnisse des jungen Inder unter die Lupe genommen hat (bzw. unter die Lupen nehmen durfte), konnte ich fuer die Handykamera posieren. Ich hatte kurz vorher Mels Schal ueber meinen Kopf gebunden, um mich vor der Sonne zu schuetzen und so unbeabsichtigt die Aufmerksamkeit des aelteren Inders auf mich gezogen, der mir wegen meines fuer ihn indisch wirkenden Outfits Komplimente machte. Wie wir spaeter herausfanden, handelte es sich bei unseren zwei Freunden um muslimische Inder oder indische Moslems und so laesst sich erklaeren, warum ein als Kopftuch getragener Schal so viel Aufmerksamkeit erregen kann. Nach dem Posing und dem Namensaustausch - ich nenne mich in Indien Doris, englisch ausgesprochen, weil Dorothy, meinen eigentlicher Auslandsnamen, hier keiner zu kennen scheint - durfte ich etwas ueber seine Taetigkeit als Heiler und Philosoph erfahren und darueber, welche Kraefte Steine haben koennen, wie vielen Menschen er schon geholfen hat, dass er das alles macht, weil er den von weit her gereisten Menschen wirklich helfen moechte...Bei seinem schlechten Englisch habe ich natuerlich nur die Haelfte verstanden und ab und zu ein "Oh, really", "Interesting" oder "Great" eingeworfen und mit dem Kopf genickt. Irgendwann hat Mel mich dann erloest - zu ihrer Verteidigung muss ich sagen, dass sie regelmaessig nach meinem Wohlbefinden gefragt hat, was natuerlich nicht so einfach war, da der andere Inder Deutsch versteht - und wir sind alle man zum Laden des Onkels marschiert. Dort gab's - was wohl? Richtig, Chai! - und obendrein fuer Mel einen auf ihren Daumennagel gemalten Elefanten, for free. Zwei Monate hat er nicht ganz gehalten, genauso wenig wie unser Henna einen Monat. Nach ca. einer Woche war von beiden Kunstwerken nichts mehr zu sehen. Indische Uhren scheinen anders zu ticken :-)

Taj Ma(ha)l anders

Wenn man schon mal in Indien ist, sollte man auch das Taj Mahal gesehen haben, immerhin Weltkulturerbe. Also haben wir auf unserem Weg von Udaipur nach Varanasi einen Zwischenstopp in Agra eingelegt, einer Stadt, in der es ausser Muellbergen und eben dem Taj nicht viel zu sehen gibt. Unser Reisefuehrer empfiehlt, einen ganzen Tag fuer das Taj Mahal einzuplanen, da man dann seine ganze Schoenheit bei unterschiedlichen Lichtverhaeltnissen bestaunen koenne, der Garten zum Relaxen einlade usw. Unser Plan fand allerdings ein schnelles
Ende, als uns unser Fahrer auf dem Weg vom Bahnhof zum Hostel beilaeufig mitteilte, dass wir heute noch - es war Donnerstagmittag, wir sind die ganze Nacht Zug gefahren, haben gestunken wie die Kanalratten und fuehlten uns wie ausgekot... - das Taj Mahal besuchen muessen. Schon leicht angenervt - ja, es war unsere Schuld, schliesslich haetten wir den gesamten Beitrag zum Taj lesen und somit wissen koennen, dass es Freitag fuer Touristen geschlossen ist - haben wir uns nach einem Fruehstueck-und-Mittag-in-einem-Quickie also auf den Weg zu einem der bedeutendsten Pilgerstaetten Indiens gemacht. Dort mussten wir schnell feststellen, dass das mit dem Relaxen nichts wird: unsere Rucksaecke mussten wir abgeben, Essen und Trinken durften nicht mit reingenommen werden. Wie soll man mit einer Kamera und jeweils 0,5 l Wasser - war im 11-EUR-Eintritt enthalten - bei gefuehlten 40 C im Schatten relaxen geschweige denn den ganzen restlichen Tag dort verbringen? Wird schwer. Also widmeten wir unsere ganze Aufmerksamkeit dem Taj Mahal, die allerdings schon nach kurzer Zeit eher den anderen Touristen und ihrem komischen Posing fuer die Kamera, vor und mit dem Taj Mahal - der Renner war die Einstellung, in der der Posende das Taj Mahal scheinbar in den Haenden hielt - oder dem Muell rund um das heilige Gelaende zuteil wurde. Natuerlich ist das Taj Mahal mit seiner komplett aus weissem Marmor bestehenden Fassade und seinem eher schlichten und gerade deswegen schoenen Baustil schon eine Augenweide...aber das kann man fast noch schoener von den zahlreichen Dachrestaurants aus wahrnehmen, vor allem zum Sonnenauf- bzw. -untergang, wenn der weisse Marmor roetlich schimmert. Der im Inneren aufbewahrte Sarg der Frau, zu dessen Ehren das Taj Mahal errichtet wurde, ist allerdings alles andere als spektakulaer.
Das Highlight von Agra schon am Donnerstag besichtigend und das Fort aussparen wollend, versuchten wir den Freitag - unser Zug nach Varanasi ging abends - mehr schlecht als recht rumzukriegen, gingen bei 100% Luftfeuchte spazieren - es dauerte keine Stunde, bis unsere T-Shirts komplett durchgeschwitzt waren - wimmelten hartnaeckige Rikscha-Fahrer ab, die es nicht verstehen konnten, dass man bei dieser drueckenden Hitze einfach nur spazieren moechte :-), wurden Stammgaeste der indischen Kaffeekette, die wir aus Mumbai kennen - hatte naemlich Klimaanlage - und waren froh, als wir Freitagabend endlich in den Zug nach Varanasi steigen konnten, das wir dann am Samstagmittag mit vierstuendiger Verspaetung erreicht haben. Es scheint, als haette nicht nur die Deutsche Bahn so ihre Probleme mit der Puenktlichkeit ;-)

Verwirrende Gassen in der Altstadt und die Ghats am Ganges

Varanasi ist eine der heiligsten Staedte des Hinduismus - wenn nicht sogar die heiligste. Viele Inder pilgern im Laufe ihres Lebens in die Stadt am Ganges, um an den zahlreichen Ghats ein Bad im heiligen Fluss zu nehmen und/oder hier nach dem Tod verbrannt zu werden. Demenstprechend ist die Stadt von einer ganz besonderen Aura umgeben, die man vor allem in der Altstadt sehr gut spuert. Die Gassen sind so eng und verwinkelt, dass hier keine Rikschas geschweige denn Autos fahren. Die einzigen,die sich hier noch durchdraengeln muessen, sind Motorraeder , natuerlich die heiligen Kuehe und ein paar winzige Sonnenstrahlen. Das von uns auserkorene Hostel mit einem herrlichen Blick auf den schmutzigen Ganges - dieses Mal haben wir uns etwas gegoennt und hatten ein Zimmer mit Klimaanlage und Balkon - lag genau in diesem Gassen-Wirrwarr, fuer das selbst die beste Karte nichts nuetzte, und wir waren sehr froh, einem Inder in die Arme gerannt zu sein, der noch zwei Chinesen im Schlepptau hatte und uns alle zu besagtem Hostel brachte.
Nach einem ausgiebigen Mittagessen wollten wir dann die Altstadt erkunden und sind direkt vor unserem Hostel ein paar Indern begegnet, die da staendig rumzustehen scheinen und Touristen ihre Hilfe als Guide anbieten, was diese gern annehmen, vor allem Frauen, um deren Orientierungssinn es bekanntlich nicht gerade zum Besten steht :-) Wir haben uns also zum Verbrennungsghat fuehren lassen, bei dieser Gelegenheit einen mit Tuechern umwickelten, auf Holz gebetteten Toten aus der Ferne brennen gesehen, etwas ueber die Verbrennungsprozedur erfahren und waren voller Ehrfurcht angesichts dieses heiligen Ortes. Danach ging es noch in einen kleinen Hindutempel, der von aussen mit verschiedene Kamasutrastellungen abbildenden Holzfiguren verziert war, die gelegentliches Laecheln auf unsere Gesichter und das des Inders zauberten. Unsere kurze, dennoch interessante Tour endete in einem Seiden-Laden, in dem wir - na, was wohl? - alles moegliche aus Seide zu unschlagbaren Preisen, aber dennich in bester Qualitaet kaufen sollten. Wohlwissend, dass wir sowieso abgezockt werden und genuegend Souvenirs aus Indien habend, wurde mir ploetzlich so schwindelig, dass ich mich kaum noch auf den Beinen halten konnte und Melina mich unbedingt aufs Hotelzimmer bringen musste :-) Jetzt weiss ich endlich, wofuer die DS-Zeit gut war; es stimmt, wir haben dabei fuers Leben gelernt :-)
Obgleich wir noch oefter mit unserem Inder verabredet waren - wir sollten unbedingt noch mal in den Seiden-Laden seines Chefs kommen sowie bei ihm zu Hause einen Chai trinken - sind wir ihm ihn auf den naechsten Tag vertroestend immer wieder entwischt und haben stattdessen eine Bootstour und einen Ausflug in den anderen Teil von Varanasi unternommen.
Es eine Tour mit einem Boot zu nennen, ist vielleicht etwas uebertreiben, waren es doch eher irgendwie zusammengeschlagene Bretter, die sich auch irgendwie ueber Wasser gehalten haben. Wir sind wieder am Verbrennungsghat vorbeigekommen, durften aussteigen, wurden von einem aelteren Herren noch dichter an die Holzhaufen herangefuehrt als beim ersten Mal und haben das Beerdigungsprozedere viel besser verfolgen koennen. Schon ein schaurig-schoener Ort! Ein wenig stoerend wirkte nur die abschliessende Bitte um Spende fuer Brennholz - ganz besonderes Holz, das aus 300 km entfernten Waeldern stammt - die uns mehrere Hundert US $ gekostet haette, waeren wir ihr vollstaendig nachgekommen (Mel war zu goldig und meinte, dass wir nur das Geld fuer die Bootstour mitgenommen haben, weil wir Angst hatten, ins Wasser zu fallen. Morgen wuerden wir aber noch einmal vorbeikommen, um etwas Geld zu spenden...Findet ihr fies von uns? Der Lonely Planet hat eindringlich davor gewarnt, auf diese Spendengesuche einzugehen.)
Abends haben wir noch eine Zeremonie an einem anderen Ghat vom Wasser aus bestaunen koennen, konnten aber wegen der vielen anderen, mit auslaendischen, aber auch indischen Touristen beladenen Boote nicht viel sehen - von wegen, vom Wasser aus haette man die beste Sicht.
Am letzten Tag haben wir die Altstadt verlassen - waren wir stolz, dass wir den Weg vom und zum Hotel ganz allein gefunden haben - und den anderen Teil der Stadt erkundet. Wir haben den Campus der Benares Universitaet erkundet - Wer haette gedacht, dass ich erst nach Indien muss, um ueberhaupt mal einen Campus zu sehen? Die jeweiligen Fakultaeten der Berliner Unis sind ja in der ganzen Stadt verteilt. - und sind durch ruhige Strassen entlang des Ganges geschlendert, bis wir in einem von westlichen Aussteigern gefuehrtem Cafe und Shop gelandet sind, in dem sogar die Toilette zum Verweilen einlud - sauber, Klopapier, kleine Handtuecher zum Haendeabtrocknen - das Essen einfach spitze war und die tollen Schals, Blusen, Hosen, Tischdecken, Bettbezuege und und und zu original indischen Preisen - die waren fix, sodass man garantiert nicht abgezockt wurde - zum endlos langen Shoppen verfuehrten.

Varanasi hat uns also gefallen - wie wird wohl Bodhgaya, Indiens Zentrum fuer buddhistische Pilger?
m + d

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